
„Gerade junge Menschen interessieren sich für uns. Das ist eine extrem positive Entwicklung“, freute sich Dieter Hauenstein bei der Frühjahrstagung der Kreisbereitschaftsleiter in Buch (Riedenburg). Wie es gelingt, diesen Trend beizubehalten, skizziert der Bezirksbereitschaftsleiter im Interview mit unserer Pressestelle.
Von Frank Betthausen
Riedenburg. Die Bereitschaften im BRK-Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz bewegen sich gegen den Trend. Während viele andere Organisationen, Vereine und Verbände an Mitgliedern verlieren, wächst die Zahl der Unterstützer in der Rot-Kreuz-Gemeinschaft seit vier Jahren stetig.
Derzeit liegt sie knapp über der Marke von 14 000 Aktiven, wie Dieter Hauenstein bei der Frühjahrstagung der Kreisbereitschaftsleiter im Landhotel Schneider in Buch (Riedenburg) erläuterte.
Eine weitere Besonderheit: Die Bereitschaften haben seit 2021 mehr als 600 Aktive unter 18 Jahren aufgenommen. „Gerade junge Menschen interessieren sich für uns und unsere Aufgaben. Das ist eine extrem positive Entwicklung“, hielt der Bezirksbereitschaftsleiter fest.
Ansprüche verändern sich
Wo er den Hauptgrund dafür sieht? „In den attraktiven Angeboten!“, betonte er – und gab sich fest entschlossen, mit seinen Stellvertretern Volker Andorfer und Petra Luber in genau dieser Richtung weiterzuarbeiten. So müssten die Möglichkeiten, sich bei den Bereitschaften einzubringen – ein wichtiger Punkt der Tagung –, noch projektbezogener werden.
„Wir werden nicht mehr den Ehrenamtlichen finden, der das ganze Spektrum abbildet“, meinte Hauenstein. „Die Leute suchen sich heutzutage ganz gezielt ihre Aufgaben aus.“
Sei jemand handwerklich geschickt und wolle das BRK an bestimmten Punkten unterstützen, wolle sich ein Mitglied etwa nur im Bereich der Blutspende engagieren, müsse ihm die Gelegenheit verschafft werden, für den Sozialverband tätig zu werden, ohne vorher eine zweijährige Ausbildung zu absolvieren. „Hier brauchen wir neuere Modelle“, forderte er.
Weiterbildung wird forciert
Neben der Weiterentwicklung des Zivilschutzes sollen die Mitgliedergewinnung und -bindung so – aufbauend auf den Erfolgen der jüngeren Vergangenheit – Schwerpunkte der Bereitschaftsarbeit bleiben.
Mit entsprechenden Fort- und Weiterbildungen für die Leitungskräfte! „Wir müssen unsere Leute an der Spitze noch stärker für die Personalführung und Personalakquise qualifizieren“, erklärte der Bezirksbereitschaftsleiter. Das gelte für die Neuen genauso wie für die Rot-Kreuz-Kollegen, die schon lange in Verantwortung seien.
Wir müssen unsere Leute an der Spitze noch stärker für die Personalführung und Personalakquise qualifizieren.
Bezirksbereitschaftsleiter Dieter Hauenstein

In Buch ließen sich Hauenstein und sein Team bei Zukunftsthemen wie diesem durch einen Strategie-Workshop inspirieren, den Noémi und Paul Polyfka (CoCoLead GmbH) leiteten. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass sich die Gesellschaft, der Anspruch der Mitglieder und die Kommunikationsmittel verändern...
Um ihre Gemeinschaft an dieser Stelle zu wappnen, möchte die Bezirksbereitschaftsleitung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit beispielsweise „an noch mehr Transparenz“ arbeiten.
Einiges zu tun ist in den Augen von Hauenstein darüber hinaus in der Frage der Diversität. „Unsere Bereitschaften sind in höchstem Maße männerlastig“, räumte er ein.
Frauenanteil soll steigen
Im Bereich der Führungsebene liege der Frauenanteil in Niederbayern und der Oberpfalz bei unter 20 Prozent. Der Anspruch müsse es hier sein, nicht nur die Ursachen dafür zu ergründen, sondern „eine Veränderung anzugehen“.
Den Bildungssektor möchte der BRK-Funktionär ebenfalls deutlich moderner aufstellen – etwa im Bereich der Kreisverbände und speziell, wenn es um übergreifende Kooperationen bei Fortbildungen geht.
„Wenn ein Kreisverband sein Potential nicht abrufen kann und es an Teilnehmern für einen Kurs fehlt, sollte es die klar geregelte Möglichkeit zur Zusammenarbeit geben“, meinte Hauenstein.
Plädoyer für Hohenfels
Beim Thema Lehrgänge gab es nach seinen Angaben aus der Runde der Kreisbereitschaftsleiter außerdem ein eindeutiges Plädoyer für den Erhalt und die Sanierung der Bildungsstätte Hohenfels.
„Dort bilden wir aus, dort findet ein wichtiger Austausch statt. Das ist unser Haus, dort sind wir zu Hause. Wir brauchen diesen Stützpunkt“, fasste er die Meinungsäußerungen zusammen.
Überhaupt sei es gelungen, bei der Tagung in Riedenburg sehr viele Gemeinsamkeiten zu betonen – mit einer Botschaft, die Hauenstein und seine Mitarbeiter der Bezirksgeschäftsstelle am Ende sehr freute. „Unsere Kreisverbände stehen hinter dem Bezirksverband und seinen Strukturen – ausnahmslos.“