Wenn ein Einsatz über viele Wochen hinweg andauert

Celina Auburger
Begrüßung zur Herbsttagung in Fensterbach (von links): Franz Schindler, 1. stellvertretender Vorsitzender des BRK-Kreisverbands Schwandorf, stellvertretender Landrat Hans Prechtl, Joachim Seeliger, stellvertretender Kreisgeschäftsführer des BRK-Kreisverbands Schwandorf, Kreisbereitschaftsleiter Andreas Meidinger (Schwandorf), Bezirksbereitschaftsleiter Dieter Hauenstein und BRK-Bezirksgeschäftsführer Mario Drexler

Bei der Herbsttagung der Kreisbereitschaftsleitungen in Fensterbach stand ein Thema erneut ganz oben auf der Tagesordnung: der Katastrophen- und Zivilschutz. Einsätze in diesem Bereich, das machte Bezirksbereitschaftsleiter Dieter Hauenstein klar, wären nicht nach zwölf bis 72 Stunden vorbei. „Sie könnten über Wochen gehen. Darauf muss sich jede Helferin und jeder Helfer vorbereiten.“

Von Simone Zenner

Fensterbach. Katastrophenschutz funktioniert nur im engen Zusammenspiel zwischen den Planungsverantwortlichen und den ehrenamtlichen Einsatzkräften der Gemeinschaften. Darauf machte Bezirksbereitschaftsleiter Dieter Hauenstein bei der Herbsttagung der Kreisbereitschaftsleitungen aufmerksam.

Während die Katastrophenschutzbeauftragten wichtige Aufgaben in der Planung, Vorbereitung und Koordination übernehmen, stellen die Gemeinschaften des Roten Kreuzes – insbesondere die Bereitschaften, die Wasserwacht und die Bergwacht – einen wesentlichen Teil der Einsatzkräfte. Entscheidend ist daher eine enge Abstimmung zwischen allen Beteiligten.

Zusammenarbeit stärken

Um diese Zusammenarbeit weiter zu stärken, waren zu dem Arbeitstreffen im Hotel Wolfringmühle in Fensterbach erstmals auch die Katastrophenschutzbeauftragten der Kreisverbände eingeladen. Rund 40 Teilnehmer reisten zu der Sitzung in den Landkreis Schwandorf.

Zur offiziellen Begrüßung am Freitag waren Bezirksgeschäftsführer Mario Drexler, der stellvertretende Landrat des Landkreises Schwandorf, Hans Prechtl, sowie der 1. stellvertretende Vorsitzende des BRK-Kreisverbands Schwandorf, Franz Schindler, zu Gast. Hinzu kam der stellvertretende Kreisgeschäftsführer Joachim Seeliger.

 Unsere Einsatzkräfte sind nicht alle zwischen 20 und 40 und alleinstehend. Das muss man auch mit der Familie klären. 

Bezirksbereitschaftsleiter Dieter Hauenstein

Am Samstag legte die Bezirksbereitschaftsleitung ihren Bericht vor. Danach ging es um das Thema, das bei dieser Tagung jedes Jahr obenan steht: Katastrophen- und Zivilschutz. 

Die Kreisverbände erfuhren, womit sich Bund und Freistaat derzeit beschäftigen, etwa mit dem Auf- und Ausbau der Medizinischen Task Force (MTF) in Bayern. 

Geländegängige Fahrzeuge

Auf Bundesebene geht es um die Beschaffung von Schutzausrüstung für Einsatzkräfte, geländegängigen und widerstandsfähigen Fahrzeugen und medizinischer Ausstattung, die an heutige Bedingungen angepasst ist. Die Ausbildung wurde dahingehend betrachtet, auf welche Verletzungen Einsatzkräfte in solchen Lagen vorbereitet sein müssen.

Zivilschutz meint den Schutz der Bevölkerung im Spannungs- und Verteidigungsfall, zuständig dafür ist der Bund. Die Teilnehmenden befassten sich mit den Konzepten, mit möglichen Bedrohungslagen und mit der Frage, was diese für die einzelnen Helfer bedeuten.

„Solche Einsätze wären nicht nach zwölf bis 72 Stunden vorbei, sie könnten über Wochen gehen“, sagte Hauenstein. „Darauf muss sich jede Helferin und jeder Helfer vorbereiten.“ 

Bayernweite Erhebung

Für den Zivilschutz stellt der Bund dem Roten Kreuz Fahrzeuge zur Verfügung, etwa Krankentransportwagen. In den Überlassungsvereinbarungen sagt das Rote Kreuz zu, sie im Ernstfall mit eigenem Personal zu besetzen. 

Eine bayernweite Erhebung zur Helferverfügbarkeit, für jeden Bezirksverband ausgewertet, erfasst dafür Qualifikationen und Altersstruktur der Helfer. Sie fragt auch ab, wie lange jemand von zu Hause weg sein könnte. „Unsere Einsatzkräfte sind nicht alle zwischen 20 und 40 und alleinstehend“, sagte Hauenstein. „Das muss man auch mit der Familie klären.“

Celina Auburger
Knapp 40 Teilnehmer kamen im Hotel Wolfringmühle in Fensterbach zusammen.

Viel Zeit nahmen sich die Tagungsteilnehmer für ein Programm, das es schon länger gibt, für das der BRK-Landesverband aber seit 12. September bayernweit wirbt: Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten, kurz EHSH. 

Die Kampagne soll die Bevölkerung auf mögliche Krisen vorbereiten und Selbstschutz, Selbsthilfe und Nachbarschaftshilfe stärken. Im Juli waren bayernweit 30 BRK-Kreisverbände beteiligt, die Kampagne soll das Programm weiter voranbringen. 

Die Kreisbereitschaftsleitungen wurden in Fensterbach in das Modell eingewiesen. „Bevölkerungsschutz heißt auch, dass die Menschen widerstandsfähig sind und sich selbst und gegenseitig helfen können“, erläuterte Hauenstein. „Dann können sich die Einsatzkräfte im Ernstfall auf diejenigen konzentrieren, die sie am dringendsten brauchen.“

129 Hunde, 157 Einsätze

Am Freitag überreichte Hauenstein Elisabeth Forster vom BRK-Kreisverband Neumarkt ihre Ernennungsurkunde: Sie wurde für die Wahlperiode 2025 bis 2029 als stellvertretende Bezirksfachdienstleiterin Rettungshundearbeit nachberufen. 

Rettungshundestaffeln gibt es in elf Kreisverbänden des Bezirks – mit zusammen 140 Mitgliedern und 129 Hunden, 100 davon sind einsatzfähig. Im vergangenen Jahr kamen die Staffeln auf 157 Einsätze. Mit den Bezirksfachdienstleitungen sprach die Bezirksbereitschaftsleitung bei der Tagung auch über deren Anliegen.

Dank an Martin Ibrom

Am Sonntag war Martin Ibrom als Dozent zu Gast, Katastrophenschutzbeauftragter der BRK-Landesgeschäftsstelle. Beim Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz war es sein letzter Auftritt in dieser Rolle, zum 31. Dezember scheidet er aus der Funktion aus. 

Im Namen der Bezirksbereitschaftsleitung überreichte ihm Dieter Hauenstein ein Geschenk. Die beiden arbeiten seit mehr als 30 Jahren zusammen. „Für Martin ist das Rote Kreuz sein Leben“, sagt Hauenstein. „Ob nachts um eins oder früh um fünf: Er war in all den Jahren immer da.“

Celina Auburger
Im Namen der Bezirksbereitschaftsleitung überreichte Dieter Hauenstein Martin Ibrom ein Geschenk.