"Sie sind die eigentlichen Helden dieser Zeit""Sie sind die eigentlichen Helden dieser Zeit"

"Sie sind die eigentlichen Helden dieser Zeit"

Josef Pemmerl, Leiter des BRK-Seniorenwohn- und Pflegeheims Zandt, hat sich nach mehr als einem Jahr im "Corona-Modus" seine Gedanken zur Pandemie gemacht. Er streicht die Leistung seiner Kollegen aus der Pflege heraus und pocht auf "das höhere Ziel, die Solidarität zu den Schutzbedürftigen in den Vordergrund zu stellen". Dazu sei es bisweilen auch nötig, sich selbst zurückzunehmen, meint er.

Von Frank Betthausen

Zandt. Seit mehr als einem Jahr kämpft Josef Pemmerl mit seinen Mitarbeitern an vorderster Corona-Front. Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben dem Leiter des BRK-Seniorenwohn- und Pflegeheims Zandt (Landkreis Cham) keine Ruhe gelassen und ihn veranlasst, seine Gedanken zur Pandemie zu Papier zu bringen.

In seinem Rückblick beschäftigt er sich mit der Lage im Land und in der Region und streicht die Rolle der Pflegekräfte heraus. „Sie sind die eigentlichen Helden dieser Zeit“, betont er.

„Die Kollegen und Mitarbeiter tragen jede Entscheidung mit nach vorne gerichtetem Blick mit. Sie versuchen an jedem Tag, aus der Situation das Beste zu machen, um den Bewohnern so viel Normalität wie möglich zu bieten. Davor ziehe ich meinen Hut." Heimleiter Josef Pemmerl

Gleichzeitig tritt er für Solidarität, Rücksicht und Umsicht ein. Sie seien in dieser Phase mehr denn je gefragt. „Es ist wichtig, als vermeintlich Stärkerer, der jung und gesund oder privilegiert ist, seine persönlichen Befindlichkeiten zurückzustellen, um andere nicht zu gefährden“, erklärt Pemmerl.

Durch die Impfung sei der Menschheit ein Werkzeug an die Hand gegeben worden, das Hoffnung und ein Ende der Situation im Lockdown verspreche - „genauso wie das merklich voranschreitende Impftempo“. Damit dies gelinge, seien jedoch weitere Maßnahmen wie das Tragen von Masken, Testungen und solidarisches Verhalten unumgänglich, bricht er eine Lanze für Vernunft und Besonnenheit.

Das Ziel, die Zahl der Infektiösen zu reduzieren, allein sei jedoch zu undifferenziert. „Schließlich geht es auch um diejenigen, die all dies aushalten und mittragen müssen: die vielen Pflegekräfte - und dabei sind nicht nur die Kollegen in der Akutversorgung gemeint“, sagt Pemmerl.

Sie geben ihr Menschenmöglichstes

Es gehe um jene, die in den vielen anderen Versorgungsformen ihren Dienst verrichteten und unter erhöhten physischen und psychischen Belastungen ihr Menschenmöglichstes leisteten – „manchmal auch einiges darüber hinaus“. Und das, meint Pemmerl, ohne zu murren oder zu meckern. „Die Kollegen und Mitarbeiter“, berichtet er, „tragen jede Entscheidung mit nach vorne gerichtetem Blick mit. Sie versuchen an jedem Tag, aus der Situation das Beste zu machen, um den Bewohnern so viel Normalität wie möglich zu bieten.“ Davor ziehe  er seinen Hut.

Corona habe in der Pflege viele Veränderungen mit sich gebracht, schreibt er in seiner Rückschau. Wohnbereiche seien zu Kohorten umfunktioniert worden, Besuche dürften nur noch mit vorherigem Termin stattfinden, das Tragen von FFP2-Masken sei zur Pflicht geworden, genauso wie Testungen von Besuchern und Beschäftigten. Im Vordergrund stehe der höchstmögliche Schutz für Bewohner und Mitarbeiter.

"Klarheit und Struktur walten lassen"

Dass dies nicht immer leicht sei in der Entscheidungsfindung, hält der Einrichtungsleiter fest, verstehe sich von selbst. Dennoch sei es richtig und wichtig, Klarheit und Struktur walten zu lassen. „In diesen Zeiten sind die Macher und pragmatisches Handeln gefragt, um möglichst gut und unbeschadet durch diese schwierigen Monate zu kommen“, meint Pemmerl.

Gleichzeitig erfordere die Lage ein permanentes Reflektieren und Kommunizieren, zumal auch ethische und moralische Abwägungen in Entscheidungsprozessen eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielten. „Warum?“, fragt Pemmerl. „Weil das Leben und die Umstände aus mehr als vernünftig begründbaren Fakten bestehen.“

Grundsätzlich, schließt er seine Gedanken, solle jedoch immer das höhere Ziel, die Solidarität zu den Schutzbedürftigen, im Vordergrund stehen. „Dazu ist es eben auch bisweilen nötig, sich selbst zurückzunehmen“, meint Pemmerl.