Pionier der HIV/Aids-Arbeit geht nach 33 Jahren in den Ruhestand

Frank Betthausen
Hans-Peter Dorsch, Pionier der HIV/Aids-Arbeit in Regensburg, engagierte sich sein gesamtes Berufsleben mit großer Leidenschaft und unermüdlichem Einsatz für Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen. Seit dem 1. Dezember steht seine Nachfolgerin Katharina Pfaff an der Spitze der Psychosozialen Aids-Beratungsstelle Oberpfalz.

Mit Hans-Peter Dorsch hat sich einer der prägenden Köpfe der bayerischen HIV/Aids-Arbeit verabschiedet. Seit 1992 leitete der Diplom-Psychologe die Psychosoziale Aids-Beratungsstelle Oberpfalz. Insgesamt 37 Jahre lang setzte er sich unermüdlich für Menschen in besonders verletzlichen Lebenslagen ein. Nun beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt.

Von Simone Zenner

Regensburg. 1985 war HIV ein Schreckgespenst, medizinische Erkenntnisse waren rar, eine Diagnose kam oft einem Todesurteil gleich. In dieser Zeit entschied sich ein junger Psychologie-Student in Regensburg, seine Diplomarbeit über das Thema HIV zu schreiben. Ein mutiger Schritt und der Beginn einer lebenslangen Berufung.

Kurz darauf wurde Hans-Peter Dorsch Gründungsvorstand der Aids-Hilfe Regensburg und prägte ab 1988 den Aufbau der Psychosozialen Aids-Beratungsstelle Oberpfalz. 33 Jahre lang leitete er die Einrichtung. 

„Ich habe während meiner ganzen Arbeitszeit immer mit Menschen gearbeitet, die in existenziellen Krisensituationen waren. Diese Arbeit konnte ich nur mit ganzem Einsatz und aus vollem Herzen machen, wenn ich diesen Menschen gerecht werden wollte“, sagt er heute.

 Ich habe während meiner ganzen Arbeitszeit immer mit Menschen gearbeitet, die in existenziellen Krisensituationen waren. Diese Arbeit konnte ich nur mit ganzem Einsatz und aus vollem Herzen machen, wenn ich diesen Menschen gerecht werden wollte. 

Hans-Peter Dorsch

Hans-Peter Dorsch brachte Projekte auf den Weg, die heute aus der regionalen Präventions- und Unterstützungsarbeit nicht mehr wegzudenken sind:

  • 2010: Checkpoint Regensburg

    Als erste Aids-Beratungsstelle in Bayern führte Regensburg unter seiner Leitung die Beratung und Testung auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen ein. Heute ist der Checkpoint die drittgrößte nicht-staatliche Testeinrichtung in Bayern.
     
  • 2011: Spritzenaustausch-Programm

    Mit jährlich über 200.000 ausgegebenen Spritzen und Kanülen gehört das Programm zu den größten seiner Art in Deutschland. Dorsch setzte damit ein klares Zeichen für Gesundheit, Würde und gegen Stigmatisierung.
     
  • Internationale Aidstanzgala

    Eines seiner Herzensprojekte, bei dem er als Kooperationspartner eine tragende Rolle übernahm. Die 22 Ausgaben der Gala gehören zu den traditionsreichsten Aidsgalas in Deutschland und erzielten fast 400.000 Euro an Spendengeldern. Besonders bewegend war für ihn der Umzug ins Theater am Bismarckplatz. „Plötzlich war das Thema HIV/Aids glanzvoll in der Mitte der Stadtgesellschaft. Das fand ich absolut zauberhaft.“

 Bürgerschaftliches Engagement hat in meinem Leben neben der Familie immer eine sehr große Rolle gespielt und wird ziemlich sicher weiter eine große Rolle spielen. 

Hans-Peter Dorsch

Zum 30. November 2025 hat Hans-Peter Dorsch die Leitung der Psychosozialen Aids-Beratungsstelle Oberpfalz an seine Nachfolgerin, Katharina Pfaff, abgegeben. Mit dem 1. Dezember beginnt für ihn ein neues Kapitel, frei von festen Plänen, aber voller Möglichkeiten. 

„Das Schöne ist, dass ich jetzt nichts sofort planen muss. Ich darf mir Zeit lassen. Was für ein Luxus“, betont er. Sicher ist für ihn nur: Bürgerschaftliches Engagement bleibt Teil seines Lebens, ebenso wie Zeit für Familie und Erholung.