
Erst vor wenigen Tagen hatte Gerda Hasselfeldt ihr Amt in Berlin mit den Neuwahlen abgegeben. Seit Donnerstag steht fest: Die 75-Jährige aus Haibach wird das BRK-Führungsgremium in Ostbayern in den nächsten Jahren mit ihrer Expertise unterstützen. Bei der Jahresschlusssitzung in Regensburg verabschiedete Bezirksvorsitzender Hans Rampf nicht nur sieben Mitglieder des Vorstands, sondern auch Hans-Peter Dorsch, den Leiter der Aids-Beratungsstelle Oberpfalz. Er wechselt in den Ruhestand.
Von Frank Betthausen
Regensburg. Prominente Verstärkung: Der Vorstand des BRK-Bezirksverbands Niederbayern/Oberpfalz hat bei seiner Jahresschluss-Sitzung am Donnerstagabend Gerda Hasselfeldt einstimmig als weiteres Mitglied in das ehrenamtliche Leitungsgremium berufen.
Die 75-Jährige war erst vor wenigen Tagen als Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes aus ihrem Amt ausgeschieden.
Die frühere Bundesministerin und einstige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags lebt im Landkreis Straubing-Bogen und sieht ihren Wirkungskreis nach eigenen Angaben in Zukunft wieder verstärkt in ihrer Heimat.
Diesen Umstand nutzten Bezirksvorsitzender Hans Rampf und Bezirksgeschäftsführer Mario Drexler, um Hasselfeldt bei einer Berlin-Reise vor kurzem zu fragen, ob sie sich eine Mitarbeit in der Führungsrunde vorstellen könne.
Lob für menschliche Art
Die Haibacherin stimmte dem nach ihrem offiziellen Rückzug und ihrer Verabschiedung beim DRK zu – und so machte der Vorstand bei seiner Tagung in Regensburg den Weg frei für ihre Tätigkeit.
„Ihre Expertise und ihre Erfahrung können uns nur guttun“, meinte Rampf, der die Niederbayerin für ihre menschliche Art, ihre Fähigkeit zur Diplomatie und „ihren verbindenden Umgang mit Menschen“ lobte. Hasselfeldt sei es nie um die Parteibrille, sondern immer um Kompromisse gegangen.
Der ehemalige Oberbürgermeister von Landshut nutzte die Zusammenkunft außerdem, um verdienten Persönlichkeiten für ihr Engagement beim Bayerischen Roten Kreuz zu danken.
So verabschiedete er zum einen den langjährigen, hauptamtlichen Leiter der Psychosozialen Aids-Beratungsstelle Oberpfalz, Hans-Peter Dorsch, in den Ruhestand.
Das Schaffen der Vorstandsmitglieder ist einer der entscheidenden Faktoren dafür, dass der Bezirksverband bayernweit glänzend dasteht.
Bezirksvorsitzender Hans Rampf

Zum anderen dankte er im Sitzungssaal der BRK-Bezirksgeschäftsstelle sieben Personen, die mit den jüngsten Wahlen aus dem Kreis der Entscheider ausgeschieden waren, für ihr teils jahrzehntelanges Wirken im Bezirksvorstand.
Sie hätten die Arbeit des BRK in Ostbayern nicht nur begleitet, sondern sich mit ihrem „progressiven Stil“ auch aus Überzeugung eingebracht.
„Sie haben es verdient, dass wir ihnen in diesem Kreis Danke sagen“, meinte Rampf. Im Schaffen der Vorstandsmitglieder sah er neben der „tollen Geschäftsführung“ und den Mitarbeitern, die mit Herz und Verstand am Werk seien, „einen entscheidenden Faktor“ dafür, dass der Bezirksverband bayernweit glänzend dastehe.
Vier Jahre an der Spitze des JRK
Persönlich zur Verabschiedung erschienen waren Margit Wild, die von 2009 bis 2025 als hinzuberufenes Mitglied tätig gewesen war, Egon Probst (Konventionsbeauftragter von 2013 bis 2025) sowie Dr. Michael Papacek. Er hatte in den vergangenen vier Jahren das Jugendrotkreuz als Bezirksvorsitzender geführt.
Entschuldigt waren die langjährigen hinzuberufenen Mitglieder Professor Dr. Michael Nerlich (1993 bis 2025), Franz Löffler (2009 bis 2024), Michael Fahmüller (2017 bis 2025) und Dr. Michael Jobst (2017 bis 2025). Er bekleidete in dieser Zeit darüber hinaus den Posten des stellvertretenden Schiedsgerichts-Vorsitzenden.
Viel mehr als eine Aufgabe
In seiner Laudatio auf Hans-Peter Dorsch – er nahm an der Seite seiner Nachfolgerin Katharina Pfaff an der Sitzung teil – zeichnete der Bezirksvorsitzende das Bild eines Menschen, der über Jahrzehnte hinweg nicht einfach eine Stelle innegehabt, sondern seine Aufgabe mit Hingabe erfüllt habe – „stets getragen von der Überzeugung, für andere da zu sein“.
1986 habe der gebürtige Passauer, der Psychologie in Regensburg studierte, damit begonnen, sich ehrenamtlich in der Aids-Beratung zu engagieren – zunächst bei Pro Familia, danach als Gründungsvorstand der Aids-Hilfe Regensburg.
In einer Zeit, in der das Wort „HIV“ noch ein Schreckgespenst gewesen sei und eine entsprechende Diagnose in den meisten Fällen ein Todesurteil bedeutet habe!
Ende 1987 sei es zur Konzeptionierung einer Aids-Beratungsstelle in Trägerschaft des BRK-Bezirksverbands und des 1996 ausgeschiedenen Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niederbayern/Oberpfalz gekommen.
1988 erhielt Dorsch eine Anstellung in der neu geschaffenen Psychosozialen Aids-Beratungsstelle Oberpfalz, ab 1. Februar 1992 übernahm er deren Leitung – eine Rolle, in der er bis 30. November 2025 blieb.
Mit Mut vorangegangen
„Hans-Peter Dorsch hat sein Leben in den Dienst einer Sache gestellt, als sie noch am dunkelsten war. Er hat den Menschen dort geholfen, wo sie am meisten Menschlichkeit brauchten“, würdigte Hans Rampf den 66-Jährigen, der auf seinem Fachgebiet häufig mit Mut vorangegangen sei und neue Wege geebnet habe.
Als ein Beispiel dafür nannte er den Checkpoint Regensburg, den Dorsch 2010 aus der Taufe gehoben hatte. Als erste Aids-Beratungsstelle in Bayern führte die Regensburger Einrichtung auf seine Initiative hin die Testberatung und Testung auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen ein. Heute ist der Checkpoint die drittgrößte nicht-staatliche Testeinrichtung in Bayern.
Mehr als 200 000 Spritzen
Ab 2011 baute der BRK-Mitarbeiter das Spritzenaustausch-Programm auf. „Er setzte damit ein klares Zeichen gegen die Stigmatisierung und für die Gesundheit“, erklärte Rampf.
Mit mehr als 200.000 Kanülen und Spritzen, die jedes Jahr ausgegeben würden, sei es heute eines der größten Programme dieser Art in Deutschland.
„Hans-Peter Dorsch hat ein starkes Netzwerk geschaffen und damit unzählige Infektionen verhindert“, betonte der Bezirksvorsitzende, der in seiner Rede auf weitere Funktionen des 66-Jährigen verwies.
So fungierte der gebürtige Niederbayern jahrelang als Sprecher der Psychosozialen Aids-Beratungsstellen in Bayern und Referent bei unzähligen Kongressen. „Er hat Wissen verbreitet und dafür gesorgt, dass die Stimmen der Betroffenen gehört werden“, sagte Rampf.
Ihr Wirken hat tiefe Spuren hinterlassen und wird bleiben. Es lebt in jedem Menschen weiter, dem Sie geholfen haben.
Bezirksvorsitzender Hans Rampf über Hans-Peter Dorsch

Als „besonderes Glanzlicht“ bezeichnete der BRK-Funktionär die Internationale Aidstanzgala, für die Dorsch eine tragende Säule gewesen sei.
Als Kooperationspartner habe er zusammen mit dem Jazzclub und dem Theater Regensburg dafür gesorgt, dass die Veranstaltung neben allem künstlerischen Glamour ihrem Zweck gerecht geworden sei: über HIV und Aids aufzuklären sowie Spenden für Hilfsprojekte zu sammeln.
Die 22. Ausgabe habe vor kurzem 400.000 Euro eingebracht. „Das ist kein Geldbetrag, das sind Beratungsstunden, Präventionskampagnen, Materialien… Kurzum: Das ist konkrete Hilfe für jemanden, der gerade eine schwere Diagnose bekommen hat“, hielt Rampf fest.
Er prägte die Aids-Arbeit
Unter dem Strich, erklärte er, sei das Ergebnis von Dorschs fast 40-jährigem Wirken überwältigend. „Sie haben die HIV-/Aids-Arbeit in Bayern geprägt und unzählige Leben zum Besseren verändert. Ihr Wirken hat tiefe Spuren hinterlassen und wird bleiben. Es lebt in jedem Menschen weiter, dem Sie geholfen haben“, betonte der Bezirksvorsitzende.
Dorsch selbst gab die Blumen zurück. „Der Bezirksverband war ein sehr guter Arbeitgeber. Ich habe ihn als Träger über viele Jahre schätzen und lieben gelernt“, sagte er. Die Aids-Beratungsstelle sei dort bestens aufgehoben gewesen.
„Amt geht in gute Hände über“
Mit Blick auf seine Nachfolgerin Katharina Pfaff, die Rampf zusammen mit seiner Stellvertreterin Tanja Schweiger und Bezirksgeschäftsführer Mario Drexler offiziell willkommen hieß, meinte er: „Ich glaube, das Amt geht in gute Hände über“.
Die 38-Jährige, die in Regensburg lebt, stammt aus Radolfzell am Bodensee. Die Sozialpädagogin war zum 1. Oktober 2024 zur Psychosozialen Aids-Beratungsstelle Oberpfalz gestoßen und in den zurückliegenden knapp zwölf Monaten an ihre künftigen Leitungsaufgaben herangeführt worden.
Die Führungsspitze des BRK wünschte ihr am Donnerstag „alles erdenklich Gute und viel Erfolg für ihre Aufgaben“.